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Das besondere Objekt: Ablassbrief von 1517

Ablassbrief von 1517, Pergament Einblattdruck, Privatsammlung Zeppetzauer
Ernst Albrecht von Brandenburg (1490-1545), Erzbischof von Mainz und Magdeburg
Ablassbrief von 1517

Vergebung der Sünden

Über Jahrhunderte hinweg wurde die Vergebung der Sünden als der wichtigste Schatz angesehen, den die Kirche den Menschen geben konnte. Sie berief sich dabei auf Matthäus 16,18-19. In diesem Text wird Petrus symbolisch der Schlüssel zur Vergebung der Sünden oder der Verweigerung der Vergebung in die Hand gelegt. Im Sakrament der Beichte und Buße, der die Tat der guten Werke folgt, fand diese Verwaltung der Schlüsselgewalt eine feste Form. Über eine Machtpyramide, an deren Spitze der Papst als Nachfolger von Petrus steht und auf deren unterster Ebene sich die Priester befinden, konnte die Sündenvergebung vom Papstamt über die Priester den Menschen zugesprochen werden.

Beichte - Buße - Gute Werke

Die notwendige Folge Beichte – Buße – Gute Werke wurde zum ersten Mal von Papst Alexander II. zerrissen. Unter der Bedrohung durch den im Begleitung von militärischer Macht sich ausbreitenden Islam stellte Alexander II. 1063 allen  Kriegern, die sich einem Feldzug gegen die Mauren in Spanien anschlossen, einen vollständigen Bußerlass in Aussicht – als vorab getätigtes Dankeschön für das gute Werk des Kriegszugs. 1294 gewährte Cölestin V. den ersten Plenar (=vollständigen) Ablass, der in keiner Verbindung mit einem Kreuzzug stand und ab dem Heiligen Jahr 1300 wurden die Jubiläumsablässe geboren. Der Ablassgedanke hatte sich endgültig ausgebreitet.

Der Petersdom im Vatikan in Rom
Petersdom
Ernst Albrecht von Brandenburg in einer Darstellung von Lukas Cranach d.Ä.
Ernst Albrecht von Brandenburg

Finanzierungsquelle für den Kirchenbau

Bis zur Zeit Luthers konnten die meisten Ablässe der Gläubigen ohne Geldzahlungen erreicht werden. Die Gewährung wurde aber durch Beichtbriefe oder Ablassbriefe verschriftlicht. 1476/1477 wurde die Idee geboren, die auf die Beichte als Buße folgenden guten Werke zum Teil durch Geldzahlungen zu ersetzen. Es ging um die baufällige Domkirche von Saintes in Frankreich. Um diese Zahlungen als das notwendige gute Werk bei den Gläubigen zu etablieren, wurde der vollständige Ablass zum ersten Mal auf die Verstorbenen erweitert.

Im Jahr 1517 erging der sogenannte Peters-Ablass zum Neubau des Petersdoms in Rom. In den Erzbistümern Mainz und Magdeburg gab es den "Erlass der zeitlichen Sünden" gegen Zahlung und einen Ablassbrief. Die Preise waren nach Einkommen gestaffelt. Die Lücken im Brief dienen der Eintragung unter anderem von Namen und Datum des Ablasshandels. Dieser Petersablass wurde von der Kurie um Erzbischof Albrecht von Mainz und Magdeburg eingeführt. Albrecht hatte sich diese Ämter wie damals üblich gekauft, musste dafür aber besonders viel zahlen, weil er offiziell zu jung für das Amt war und außerdem Ämterhäufung nicht statthaft war. Albrecht hat für den Ämterkauf Schulden bei den Fuggern in Augsburg gemacht. Er splittete den Erlös aus dem Ablasshandel, neben der einen Hälfte für den Neubau des Petersdoms finanzierte er mit dem anderen Teil die Tilgung seiner Schulden. Die meisten wussten davon nichts, auch Dr. Martin Luther nicht.

Martin Luther und der Ablass

Luther in Wittenberg ist zunächst kein erklärter Gegner des in der römischen Kirche üblichen Ablass'. Grund für den Ablassstreit der Reformation der Jahre ab 1517 ist die Art und Weise, wie der Dominikaner-Mönch Tetzel im benachbarten Brandenburg den Ablass regelrecht eintreibt. Der ihm zugeschriebenen Spruch: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“ soll er bei der Beobachtung des Ablasshandels in Saintes geboren haben.

Einem Brief Luthers an Erzbischof Albrecht am 31. Oktober 1517 waren die 95 Thesen beigelegt.

PDF zum Download: Lateinischer Text und deutsche Übersetzung des Ablassbriefes