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Wie sieht eigentlich eine „Krippe“ aus?

„Die Welt hinter den Texten“ – Ausstellungsbereich zu den Geburtsgeschichten Jesu im Bibelhaus Erlebnis Museum

Von Veit Dinkelaker

Salzburger Perikopenbuch aus dem 11. Jahrhundert
Salzburger Perikopenbuch aus dem 11. Jahrhundert

Eine „Weihnachtskrippe“ ist heute meist ein Miniatur-Ensemble der Figuren eines Krippenspiels: Maria, Josef und das Christkind bei Ochs und Esel in einem Stall, dazu Hirten samt Schafe, manchmal auch Engel, die „Weisen aus dem Morgenland“ als drei Könige mit Geschenken dürfen nicht fehlen – über allem leuchtet ein großer Stern. Wer am Heiligen Abend in der Christvesper die Lesung der Geburtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, Kapitel 2, hört, und genau darauf achtet, welche Figuren im Bibelabschnitt genannt sind, dem fällt auf: da fehlt Einiges!

In Lukas 2 ist eben nur die Rede von Maria, Josef, Jesus in der (Futter-)Krippe, von Engeln und von Hirten. Der Stern und die Weisen aus dem Morgenland finden sich im Neuen Testament im Matthäusevangelium (Kapitel 2) – im Kirchenjahr gehört dieser Text an das Ende der Weihnachtszeit zum Fest „Heilige Drei Könige“ (Epiphanias, 6. Januar). Ochs und Esel sucht man in den Geburtsgeschichten des Neuen Testaments vergeblich – fündig wird man im Alten Testament, beim Propheten Jesaja, Kapitel 1,3: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn.“

Apropos „Krippe“

– das ist im engeren Sinne ein Behältnis beziehungsweise die Stelle, wo Tiere fressen. Und Maria gebar ihren ersten Sohn, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge (Lukas 2,7). Kenner der Lebenswelt des Neuen Testamentes wissen: Lange Zeit haben Mensch und Tier im selben Raum zusammengewohnt – nicht nur in Israel-Palästina. Die Krippe steht mitten im Haus, das gleichzeitig „Wohnzimmer“ und Stall ist.

Der Schafstall, der heute häufig das Vorbild für die „Weihnachtskrippe“ gibt, stammt eindeutig aus Mitteleuropa. Er ist nicht typisch für das judäische oder auch galiläische Bergland. Wie die Situation vor gut 2000 Jahren ausgesehen haben könnte, ist jetzt in einer lebensgroßen Rekonstruktion des Innenraumes einer „Wohnung“ zur Zeit Jesu im Bibelhaus Erlebnis Museum Frankfurt zu sehen.

Den „bösen Wirt“ kennt jedes Kind aus dem Krippenspiel. Auch er fehlt in der Bibel. Die „Herberge“, in der kein Platz ist (Lukas 2,7), ist eigentlich der Gastraum in einem (Privat-)Haus – das muss nicht ein Wirtshaus sein. Gastfrei, wie die Menschen nicht nur der damaligen Zeit waren, hätten sie die hochschwangere Frau aber trotz der Belegung des Gästezimmers aufgenommen – übernachtet wird auf dem Boden des Hauptraumes.

Autor Veit Dinkelaker ist Theologischer Referent für Religionspädagogik im Bibelhaus Erlebnis Museum
Autor Veit Dinkelaker ist Theologischer Referent für Religionspädagogik im Bibelhaus Erlebnis Museum

Nach der plötzlichen Niederkunft ist eine Futterkrippe einer der sichersten Orte für ein Neugeborenes in einem Haus, in dem alle auf dem Boden liegen und schlafen. Die „Herbergssuche“, der Kern jeden Krippenspiels, ist ein mittelalterlicher Brauch seit etwa 700 bis 800 Jahren. Er bezieht sich auf den Beginn des Johannesevangeliums und die Ablehnung, die die Botschaft Christi erfährt: „Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Johannes 1,11)

Wie sieht so eine Futterkrippe vor 2000 Jahren in Judäa aus?

Archäologen haben schnell eine Antwort auf diese Frage: die Krippen sind nicht aus Holz, sondern aus (Kalk-)Stein. Es sind Futtertröge – meist ursprünglich Sarkophage, die zu Trögen oder Tränken umfunktioniert wurden.

Hatten die Menschen solche Sarg-artigen Tröge vor Augen, als sie vor knapp 2000 Jahren die Geburtsgeschichten von Jesus zum ersten Mal gehört haben? Im Lukasevangelium taucht das Wort „Krippe“ in 14 Versen gleich dreimal auf.

Die Krippe hat Bedeutung und ist eben mehr als eine antike Kinderwiege. Im Horizont des ganzen Evangeliums von Jesus Christus ist klar: Das neue Leben des Christus Jesus kommt aus dem Grab. Der Tod wird besiegt. Das „eingewickelte“ Christkind im Trog deutet auf die Auferstehung des Gekreuzigten in Jerusalem, von dem im Grab nur die Wickeltücher zurückbleiben (Lukas 24,12): „Petrus stand auf, lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich.“

Griechisch-orthodoxe Ikonen,

aber auch mittelalterliche Buchmalerei kennen diesen Zusammenhang: das Christkind liegt auf diesen uralten Darstellungen wie eine Mumie in einer Steinkiste. Die frühe christliche Kunst hält die Vorstellung vom Zusammenhang der Geburt Jesu und der Auferweckung des Christus lebendig. So ist es bis heute festgehalten, wie eine Krippe aussieht.

Es wird dabei deutlich: den Geburtserzählungen im Neuen Testament geht es nicht darum, zu berichten, wie es „wirklich“ gewesen ist. Sie stellen dar, was zentral ist: der Heiland ist geboren! Welcher „Heiland“? Derjenige, der von den Toten auferstehen wird! - Weihnachten macht im Kern seiner Botschaft auch heute nur im Lichte von Karfreitag und Ostern Sinn. Wer dem nachspüren möchte, ist eingeladen, auch verschiedene andere Motive der Geburtsgeschichten neu zu entdecken – im Ausstellungsbereich „die Welt hinter den Texten“ im Bibelhaus Erlebnis Museum.

Wie eine Darstellung der Geburt Christi unter dem Christbaum oder in den Kirchen zur Advents- und Weihnachtszeit aussehen kann – das ist auch eine Geschmacksfrage. Sich mit Hirten, Engeln, Stern und Königen gemeinsam an dieses Ereignis zu erinnern, ist nicht die schlechteste Lösung! Wie es wirklich gewesen ist, wissen wir letztlich nicht. Auf die Deutung heute kommt es an!

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